Am 11. November 2021 hat der Rat der Stadt Bochum dem Bäderkonzept der Wasserwelten Bochum zugestimmt. Nach diesem soll das Freibad in Langendreer geschlossen werden.

Das Hallenbad soll saniert und ein Lehrschwimmbecken in die Halle mit hineingebaut werden. Die Freibadfläche hingegen soll aufgegeben und unter Bürgerbeteiligung in eine Grünfläche mit Sportflächen (Basketball, Fußball etc.) umgebaut werden.

Wir fordern die „Wasserwelten Bochum“ hiermit auf, das Freibad in Langendreer zu erhalten.

Die Gründe für diese Forderung sind:

Das Bäderkonzept der Wasserwelten Bochum ignoriert soziale Aspekte bei der Planung komplett. Nur unter Berücksichtigung finanzieller Aspekte darf kein Bäderstandort in Bochum verloren gehen.

Das Freibad Langendreer ist im Sommer ein beliebter und stark frequentierter Treffpunkt, vor allem für Familien, Kinder und Jugendliche. Rund 90.000 Bochumer Bürger*innen wohnen im 5-km-Einzugsbereich des Bades. Hinzu kommen die Bürger*innen aus Witten und Dortmund im 5-km-Umkreis, die im Bäderkonzept der Wasserwelten nicht berücksichtigt wurden.

Viele der Bürger*innen haben keinen eigenen Garten oder die Möglichkeit, in den Urlaub zu fahren. Etliche können auch nicht auf teure „Spaßbäder“ ausweichen, weil ihnen die finanziellen Mittel dazu fehlen. Der Klimawandel lässt noch heißere Sommer als bisher erwarten, was Freibäder noch viel wichtiger als Freizeit- und städtischer Urlaubsort macht. Im Bochumer Osten sind darüber hinaus mehrere Wohnungsbauprojekte geplant. Junge Familien werden dort einziehen und auch sie müssen in vorausschauende Planungen der Infrastruktur einbezogen werden.

16 Prozent der Bochumer*innen sind unter 18 Jahren (Stand Ende 2020) und gerade der Anteil dieser Altersgruppe wächst seit Jahren. Vor allem für die besonders Corona-gebeutelten Kinder und Jugendlichen muss die Möglichkeit erhalten bleiben, sich wohnortnah im Freien zum Schwimmen zu treffen. Insbesondere Schüler*innen nutzen das Freibad im Sommer im Rahmen des Ferienpasses. Für Kinder aus der Hustadt ist das Ostbad das einzige städtische Freibad im 5-km-Einzugsbereich, in das sie mit dem Ferienpass freien Eintritt haben.

Immer weniger Kinder (und auch Erwachsene) können schwimmen. Im gesamten Bochumer Osten gibt es nur noch ein Lehrschwimmbecken. Laut der DLRG (Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft e.V.) schließen im Jahr rund 80 Bäder in Deutschland – ein Trend, der sich im Bäderkonzept der Wasserwelten Bochum ungebrochen fortsetzt. Auch Freibäder bieten die Möglichkeit, im Sommer Schwimmunterricht zu erteilen – eine Möglichkeit, die bisher viel zu wenig genutzt wird.

Bei der Sanierung des Freibades in Werne ist die Wasserfläche bereits um mehr als die Hälfte reduziert worden. Die Langendreerer Badegäste sollen aber nach dem Bäderkonzept auf das Freibad in Werne ausweichen. Das Freibad Werne hat im Durchschnitt mehr als 50.000 Badegäste im Sommer, das Freibad Langendreer rund 25.000 (laut Bäderkonzept, ab 2000, ohne die beiden Corona-Sommer 2019 und 2020). Demnach wird in Werne mit 50 % mehr Badegästen bei gleichzeitiger Verringerung der Wasserfläche um 50 % geplant – diese Rechnung geht nicht auf.

Der Wohnort in Langendreer wird durch die Schließung des Freibades weiter an Attraktivität verlieren. Eine weitere Grünfläche mit Sportangeboten kann diesen Mangel nicht ausgleichen, insbesondere da es zahlreiche solcher Angebote im Bochumer Osten bereits gibt und durch Öffnung von Schulhöfen im Nachmittagsbereich für Kinder und Jugendliche viel kostengünstiger erweitert werden könnte.


31.12.2021 Artikel in der WAZ

https://www.waz.de/staedte/bochum/bochum-der-kampf-um-zwei-bedrohte-freibaeder-geht-weiter-id234207595.html


Stellungnahme von Langendreer hat’s

15.01.2021 Artikel in der WAZ

https://www.waz.de/staedte/bochum/bochum-aus-fuers-freibad-der-protest-weitet-sich-aus-id234317265.html